Rein (PuRIFY)
Misogi
Im Shintoismus wird das Ritual des Abwaschens von Sünden und Unreinheiten mit Wasser zur Reinigung von Geist und Körper „Misogi“ genannt. Sein Ursprung liegt in der japanischen Mythologie, die auf der Geschichte eines Gottes basiert, der aus der Unterwelt (der Welt der Toten) zurückkehrte, seinen Körper in einem Fluss wusch und wieder zum Leben erweckt wurde. Dieses vereinfachte Ritual beinhaltet das Spülen von Händen und Mund beim Chozuya, bevor man den Schrein betritt. Seit der Antike glauben die Japaner, dass Wasser die spirituelle Kraft besitzt, Sünde und Unreinheit wegzuwaschen. Unreinheit ist ein Zustand der „Erschöpfung“, das heißt ein Zustand, in dem die Lebenskraft erschöpft ist. Durch die Berührung mit Wasser wird verwelkte Energie wiederbelebt und in einen sauberen Zustand zurückversetzt, was den Ursprung des japanischen Wortes „Reinigung“ darstellt.

Salz (Shio)
Salz hat starke bakterizide und konservierende Eigenschaften. Die alten Japaner wussten aus Erfahrung, dass Salz eine Substanz war, die „die Verrottung von Dingen verhindert, was bedeutet, den Tod (Unreinheit) fernzuhalten“. Daher wird Salz in Ritualen als Symbol der Reinheit verwendet. Das Streuen von Salz auf den Sumoring dient der Reinigung des heiligen Ortes und ist auch ein Gebet, um Verletzungen zu vermeiden. Darüber hinaus fungiert das „Mori-Shio“, das am Eingang eines Restaurants zu sehen ist, als Zauberspruch, der Kunden einlädt, und fungiert gleichzeitig als Barriere, um den Ein- und Ausgang zu reinigen und das Eindringen schlechter Luft zu verhindern.
Eingang (Genkan)
Der „Eingang“ in japanischen Häusern ist ein Ein- und Ausgang, hat aber auch die Bedeutung einer klaren Grenzlinie. Das Ausziehen der Schuhe hat nicht nur hygienische Gründe; Der Eingang dient auch als Barriere, um den „Schmutz“ der Außenwelt von Ihrem Zuhause fernzuhalten. Viele Eingänge haben eine Stufe, die „Shikidai“ genannt wird. Diese physische Stufe fungiert tatsächlich als „Barriere“, die verhindert, dass Schmutz und unsichtbare Verunreinigungen von außen in das Haus eindringen.
Das Ausziehen der Schuhe ist auch ein Ritual, bei dem man seine soziale Rüstung ablegt und zu seinem wahren Selbst zurückkehrt. Indem Sie die Schuhe, die Sie ausgezogen haben, schön arrangieren, bereiten Sie Ihre (vergangenen) Fußstapfen vor und treten in eine schöne Zukunft ein.


Reinigung (Souji)
Der Hauptgrund dafür, dass Japan im Vergleich zu anderen Ländern sauber ist, ist sein obligatorisches Schulsystem. Viele Schulen in Japan haben kein auf Reinigung spezialisiertes Personal. Von der Grundschule bis zum Gymnasium reinigen Schüler jeden Tag Klassenzimmer, Flure und Toiletten mit ihren eigenen Händen. Dies ist Teil eines formellen Lehrplans mit dem Namen „Putzzeit“. Dahinter steht die Zen-Philosophie „Eine Reinigung, zwei Andachten“. Die Lehre besagt, dass die Verbesserung Ihres Platzes gleichbedeutend mit der Verbesserung Ihres Geistes ist. Die Sauberkeit öffentlicher Räume wird durch eine nationale Kultur unterstützt, die den Menschen beigebracht hat, Reinigung als Teil ihrer spirituellen Ausbildung und nicht als Arbeit oder Strafe zu betrachten.
Heiße Quelle (ONSEN)
Japan, ein vulkanisches Land, hat seit der Antike eine Kultur des „Toji“. Hierbei handelte es sich um eine medizinische Praxis, bei der sich Menschen über längere Zeiträume in Gebieten mit heißen Quellen aufhielten und die Inhaltsstoffe der heißen Quellen und der Erdwärme nutzten, um Verletzungen und Krankheiten zu heilen. Heiße Quellen sind Massen von Mineralien und Wärmeenergie, die aus dem Erdinneren sprudeln. Während bei Misogi das „Reinigen“ im Vordergrund steht, steht bei heißen Quellen das „Füllen“ im Vordergrund. Sich ausziehen, jeglichen sozialen Status und Schmuck ablegen und im heißen Wasser baden, das Teil der Erde ist. Ist dies nicht das primitivste und effektivste Regenerationssystem für den Menschen, um in seinen ursprünglichen natürlichen Zustand zurückzukehren?
